ÜBERTRAGENE SCHMERZEN
(
Re ferred Pain)

Grundsätzlich können Schmerzen in drei Formen auftreten:

  1. Nozizeptorschmerz - Diese Schmerzart liegt am häufigsten vor. Dabei entstehen die Schmerzen da, wo sie auch empfunden werden. Die schmerzauslösende körperliche Störung oder Schädigung wird im betroffenen Körperbereich mit Hilfe eines sog. Rezeptors dem Nervensystem sozusagen "aufgeschaltet" und dann an das Gehirn weitergeleitet. Je nach Art des zu registrierenden Reizes unterscheidet man z.B. Chemo-, Thermo-, Baro- (= den Blutdruck betreffender), akustische oder taktile (= den Tastsinn betreffender) Rezeptoren.

  2. Nervenschmerz, auch als neuropath ischer oder fortgeleiteter Sch merz bezeichnet - Bei dieser Schmerzart entstehen die Schmerzen nicht dort wo sie empfunden werden. In diesem Falle ist das schmerzleitende System selbst gestört oder geschädigt, es liegt sozusagen ein „Ner veneigenschmerz“ vor. Ein Nervenschmerz hat also keine Warnfunktion mehr hinsichtlich einer örtlichen Sch merzursache. Ein Nervenschmerz betrifft sowohl das zent rale (= Gehirn und Rücken mark betreffende) als auch das periphere (= nicht im Gehirn oder Rückenmark befindliche) Nervensystem. Es liegt in der Regel ein chronischer Sch merz (= länger als sechs Monate anhaltender) vor.

  3. Übertragene Schmerzen - Auch bei dieser Schmerzart entsteht der Sch merz nicht dort wo er empfunden wird. So können z.B. Affektionen (= Störungen, Erkrankungen) der inneren Organe über Reflexzonen, auch als Head`sche Zonen bezeichnet, auf die zugehörigen Dermatome (= von 1 Nerven versorgte Hautsegmente) an der Körperoberfläche übertragen und dann auch dort empfunden werden. So projizieren z.B. Erkrankungen der Speiseröhre und auch der Bauchspeicheldrüse Schmerzen in die Brustwirbelsäule, Gallenerkrankungen bzw. Erkrankungen des oberen Verdauungstraktes können auf diese Weise zu rechtsseitigen Schulterschmerzen, Affektionen (= Störungen, Erkrankungen) des Herzens zu einem linksseitigen Sch merz in der Schulterregion und Unterleibserkrankungen zu Kreuzschmerzen führen.
    Die Ursache für übertragene Schmerzen liegt vermutlich in der Konvergenz zwischen somatischen (den mehr äußeren Körper betreffenden) und viszeralen (die Eingeweide betreffenden) schmerzleitenden Nervenfasern (nozizepzive Afferenzen) im Rückenmark. Dadurch werden Schmerzen, welche von den Eingeweiden kommen, auf bestimmte Hautareale (Head-Zonen) projiziert.

    Mit den Head`sche Zonen alleine sind allerdings solche übertragene Schmerzen bzw. Über
    tragungsphänomene nicht immer zu erklären. So ist z.B. bekannt, daß Herzerkrankungen linksseitige Unterkieferschmerzen und/oder auch linksseitige Armschmerzen bewirken können.

Das Reflexsystem der Head`sche Zonen kann therapeutisch hilfreich sein, sozusagen in Form einer "Umkehr" der übertragene n Schmerzen.
Bei Bauchschmerzen (z.B. Reizdarmsyndrom, Reizkolon oder allgem. Darmschmerzen, aber auch bei Pankreatitis
(= Bauchspeicheldrüsenentzündung)) werden am Leib Triggerpunkte gesucht und dann mit einem lang wirkenden, örtlichen Betäubungsmittel unterspritzt. Im zugehörigen Organ bzw. Organabschnitt kommt es daraufhin zu einer Entkrampfung und auch Durchblutungssteigerung, die u.a. jeder entzündlichen Schmerzursache (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Pankreatitis) kausal (= ursächlich) entgegenwirkt.
Als nächst höhere Therapiestufe bietet sich eine vorübergehende (z.B. 8-10 Tage lang) kontinuierliche, epidurale Blockade
(= rücken mark nahe) Blockade) mit Katheter (= dünner Kunststoffschlauch) an. Der entkrampfende und auch durchblutungssteigernde Effekt ist bei dieser Methode noch ausgeprägter.

Die invasiven (= in den Körper eindringenden) Therapiemethoden der speziellen Schmerztherapie setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in wenigen therapeutischen Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die kontinuierlichen Blockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim.

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).

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Aktualisiert:>03.06.2008</> kusb&
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